Besi & Friends on Tour

Auf dem Weg von Jügesheim nach St. Tropez – Andreas Beseler und seine Rad-Gruppe beeindrucken mit einer Etappe nach der anderen.

Mit seinem mitreißenden Optimismus und Kampfesgeist hat er schon Tausenden von Menschen neuen Mut geschenkt. Menschen, die wie er an MS oder anderen schweren Erkrankungen leiden. Seit 1996 fährt Andreas „Besi“ Beseler, der laut Arztdiagnose eigentlich längst im Rollstuhl sitzen müsste, weiterhin leidenschaftlich Rennrad und hat seitdem schon viele Meilensteine erreicht. Am 19. Juni startete die neue Charity-Rennrad-Tour von „Besi & Friends“, die bis zum 1. Juli in zwölf Etappen nach St. Tropez führt und die Spenden für eine Stiftung sammelt, die sich für MS-Kranke in Not einsetzt. Das IMPRESS YOURSELF-Magazin hat ihn in Pontarlier nach dem Abschluss der fünften Etappe gesprochen.

Die neue „Besi & Friends“-Tour ist am vorletzten Sonntag in Jügesheim gestartet. Wie ist Deine erste Zwischenbilanz?

Bisher läuft alles wunderbar! Wir sind total happy und die Stimmung ist super. Auch diesmal helfen sich die Rad-Gruppen gegenseitig – besonders die gehandicapten Teilnehmer erfahren immer wieder eine tolle Unterstützung. Das ist genau das, was unser Team und unseren Spirit ausmacht. Heute haben wir allerdings ein wenig Pech gehabt, was uns nun ziemlich unter Zeitdruck setzt.

Was genau ist passiert?

Weil es an einem Berghang einen gewaltigen Abrutsch gab, konnten wir nicht auf der normalen Route bleiben, und alle drei Gruppen mussten einen Umweg über zwei richtig üble Berge nehmen. Das waren bestimmt noch mal locker tausend Meter Höhenunterschied mehr – bei knapp 40 Grad Hitze! Am Ende sind sich alle gegenseitig in die Arme gefallen und jetzt natürlich dementsprechend kaputt.

Was sind bei Ihren Touren für Sie immer wieder die größten Herausforderungen?

Dass ich mich nicht nur darauf konzentrieren kann, meine Kräfte richtig zu haushalten, sondern auch die anderen Teilnehmer aufbauen muss, wenn die mal einen Durchhänger haben. So wie heute zum Beispiel. Als einige mit ihren Kräften schon mehr oder weniger am Ende waren, haben die anderen geholfen, dass sie es doch noch über die zwei Berge mit mehr als 15 Prozent Steigung geschafft haben. Das ist zuweilen ganz schön heftig und doppelt anstrengend. Aber am Ende lohnt es sich! Die positiven Emotionen sind zuweilen überwältigend.

Woher nehmen Sie immer wieder diese unglaubliche Kraft, die Sie gerade als MS-Kranker für Ihre Touren brauchen?

Die kommt einfach aus mir selbst. Ich hatte schon immer eine große mentale Kraft. Sie leitet mich, und damit inspiriere ich auch immer wieder andere Menschen. Das größte Geschenk ist für mich, wenn die anderen Teilnehmer bei solchen Touren glücklich sind. Das gibt mir so unglaublich viel. Die Vorbereitungen im Vorfeld haben mich natürlich wieder viel Energie gekostet, auch aufgrund meiner Krankheit. Das ist schon jedes Mal eine nervliche Belastung. Aber jetzt, wo ich so viel zurückbekomme und sehe, wie die Menschen sich freuen, ist das immer wieder die größte Belohnung und Motivation für die Zukunft.

Mit Ihrem Optimismus, Ihrer Kraft und Stehauf-Mentalität machen Sie nicht nur vielen MS-Kranken Mut. Wie ist das Feedback auf Ihre Arbeit?

Hervorragend. Nicht nur von Leuten mit MS-Erkrankungen, sondern auch von Leuten mit anderen Erkrankungen oder mit Handicap. Als unser Team zum Beispiel bei der Mecklenburger Seen Runde vorgestellt wurde, sind Leute auf uns zugekommen, die dann sagten, dass sie nur unseretwegen da sind und starten. Wir geben den Menschen neue Hoffnung. Etwas Besseres gibt es doch gar nicht.

Wo liegen Ihre Kraftpole?

Nach so einer anstrengenden Tour bin ich natürlich erst einmal komplett durch. Da genieße ich die Zeit mit meiner Frau und mit engen Freunden natürlich ganz besonders intensiv und tanke so neue Energien.

Wie geht es Ihnen derzeit gesundheitlich?

Relativ gut. Und deshalb bin ich auch optimistisch, dass ich diese Tour ohne Rückschläge durchgezogen bekomme. Ich bin guter Hoffnung, dass meine Kräfte bis zum Schluss durchhalten. Natürlich spüre ich meine MS manchmal, baue zuweilen sehr schnell ab oder werde auf einmal todmüde. Aber im Moment sieht es gut aus. Danach werde ich sicher auch mal wieder einen ordentlichen Downer haben. Aber das gehört einfach dazu.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie so ein physisches und psychisches Tief haben?

Dann denke ich nicht groß über die negative Situation nach und mache einfach weiter. Nach der Devise: Augen zu und durch. Wenn ich überhaupt keine Lust aufs Training habe, dann zwinge ich mich mit aller Kraft – und irgendwann geht es am Ende dann ja irgendwie doch weiter.
Gibt es Momente, in denen Sie auch mal mit Ihrem Schicksal hadern?
Natürlich gibt es die: Wenn ich besonders heftige Schmerzen habe, denke ich schon mal still bei mir: Warum machst Du diesen ganzen Scheiß eigentlich? Warum tust Du Dir das alles an? Warum immer wieder kämpfen? Dann geht die Sonne unter – und am nächsten Tag wieder auf und es geht weiter. Zumal es ja auch nicht umsonst ist. Wenn ich die Jahre nicht so gekämpft hätte, dann würde es mir körperlich viel schlechter gehen und ich im Rollstuhl sitzen. Dann wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.

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